„Selbstreinigendes Glas und professionelle Glasreinigung schließen einander nicht aus“

„Selbstreinigendes Glas und professionelle Glasreinigung schließen einander nicht aus“

Glas ist nicht gleich Glas: Es gibt viele verschiedene Arten mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften und Reinigungsverhalten. Wir haben uns für euch schlau gemacht und einen Branchenexperten befragt. Im exklusiven clean-Interview verrät Dr. Johann Overath vom Bundesverband Glasindustrie e.V., wie Glassorten entstehen, welche Trends die Zukunft bestimmen und worauf es bei der Reinigung von beschichteten Gläsern ankommt.

Wie viele verschiedene Glasarten gibt es?
Es gibt mehrere hundert unterschiedliche Glasarten. Am meisten verbreitet sind sogenannte Kalknatrongläser. Dazu zählen Flachgläser, wie zum Beispiel Fensterscheiben, aber auch Getränkeflaschen und Lebensmittelgläser. 

Woraus besteht Glas?
Die wichtigsten Rohstoffe sind für die meisten Glasarten identisch. Hauptbestandteile sind Sand, Soda und Kalk. Hinzu kommen geringe Mengen Dolomit, Feldspat und Pottasche.

Wie entstehen Glasprodukte?
Zunächst werden die Roh- und Zusatzstoffe miteinander gemischt und in einem Glasschmelzofen auf 1.600 Grad Celsius erhitzt. Dabei verbinden sich die einzelnen Bestandteile zu der Glasschmelze. In speziellen Maschinen wird der Glasmasse ihre zweckentsprechende Form gegeben. Die so produzierten Fensterscheiben, Flaschen oder Spezialgläser werden dann in Kühlöfen langsam abgekühlt und danach auf Fehler überprüft sowie gegebenenfalls veredelt. 

Welche Trends bestimmen die Zukunft?
In den letzten Jahren hat die Flachglasindustrie zahlreiche innovative Lösungen entwickelt. So kamen Gläser auf den Markt, die durch eine Beschichtung unterschiedliche Zusatzfunktionen erfüllen: Wärmedämmung, Schallschutz, Sonnen- und Einbruchschutz oder Selbstreinigung. 

Wie hoch ist der Anteil an beschichteten Gläsern (Bedampfung etc.)?
Schätzungsweise 60 bis 70 Prozent der Gläser sind beschichtet (im industriellen oder gewerblichen Bau).

Werden selbstreinigende Gläser den professionellen Glasreiniger verdrängen?
Ganz klar – Nein! Selbstreinigendes Glas und professionelle Glasreinigung schließen einander nicht aus. Vielmehr gehen sie Hand in Hand. Der Reinigungseffekt ist schließlich nur besonders stark, wenn Sonne und Regen an das Glas kommen. Ist dies nicht der Fall, kann der Reinigungsmechanismus nicht seine volle Wirkung entfalten. Hier müssen dann Profis ins Spiel kommen.
Auch wenn der Effekt eintritt, ist eine manuelle Reinigung zwar seltener notwendig, ganz kann man auf diese jedoch nicht verzichten.

Welche Empfehlungen geben Sie für das Reinigen?
Generell kann man sagen: Selbstreinigende Gläser werden wie herkömmliche Flachgläser gereinigt.

 

Mehr zum Thema Glasarten erfahrt ihr in den weiteren Serienteilen Innovative Glasarten, Hydrophobe Oberflächen und Hydrophile Oberflächen.

 


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